Pforzheimer Zeitung Nr. 44, Seite 19, Ausgabe Nordschwarzwald, 22.02.06

Bilder voller Stille öffnen Aug’und Ohr

Erich Blaich stellt seine neueste Dia-Audio-Vision vor – Impressionen rund um baden-württembergische Klöster

Ein leichtes Surren ist zu hören und von der eben noch weißen Wand strahlt der Anblick des Klosters Maulbronn vor einem Morgenhimmel in den abgedunkelten Raum. In die Stille hinein schwebt nach einigen Augenblicken das Läuten von Kirchenglocken, während nacheinander Fotos von Kirchtürmen im wechselnden Kleid der Jahreszeiten, und ein Dachreiter vor einem majestätisch wirkendem Himmel zu sehen sind.

Schweigen als Thema

"Schweigen – Stille im Kloster und in Gottes freier Natur" heißt die neueste Dia-Audio-Produktion von Erich Blaich aus Straubenhardt-Schwann. Der 63-Jährige hat sich von dem Film "Die große Stille", der vom Alltag eines Mönchordens handelt, inspirieren lassen. Die Architektur von Klöstern allerdings, das dort entstehende Licht- und Schattenspiel reizt den gelernten Schweißer, seit er 1982 erstmals eine Minolta in der Hand hatte.

Ein Freund beim Hochbauamt Tübingen hatte ihn gebeten für einen Vortrag das Kloster Bebenhausen auf Film zu bannen. "Da habe ich gesehen, was so ein Kloster an Motiven hergibt, an Licht und Details und bin dieser seither Faszination erlegen", schaut Blaich auf die Anfänge zurück. "Immer wenn ich mich, an mir bekannten Plätzen wie im Kloster Maulbronn oder in der Natur aufhalte, entdecke ich etwas, das ich zuvor so noch nicht gesehen habe", meint er beinahe entschuldigend. Denn der Neuentdeckung folgt auch immer die Betätigung des Kamera-Auslösers.

In seinem Büro reiht sich ein Regal ans andere, in jedem eine Vielzahl von Diakästen. Der passionierte Fotograf macht eine ausladende Armbewegung: "50 000 Dias sind mittlerweile zusammengekommen – davon allein 9000 Bilder vom Kloster Maulbronn."

Noch immer gehe von Klöstern eine ehrfürchtige Faszination aus, so das Mitglied der Kunst- und Werkgilde zu seiner neuesten Idee. Das hat er immer wieder im Gespräch mit ganz unterschiedlichen Mitmenschen erfahren.

Sinnspruch als Leitbild

Mit seiner Dia-Audio-Vision will Blaich visuell und akustisch den Weg ebnen, dieses Schweigen nicht nur nachzuvollziehen, sondern auch erleben zu können. "Stille ist nicht die Abwesenheit von Lärm, sondern ein Schweigen, das dem Menschen Aug‘ und Ohr öffnet für eine neue Welt." Sergej Poliakoffs Sinnspruch, den Blaich einblendet, scheint für den Schwanner so etwas wie ein Leitbild für sein neuestes Werk zu sein.

Zusammengestellt aus einem reichhaltigen Fundus wechseln sich Aufnahmen im Kloster mit Bildern der klösterlichen Umgebung und der Natur ab. Es sind Aufnahmen voll unverfälschter Stimmung. Besonders auf die Impressionen hat der Fotograf Wert gelegt. Sie wurden so festgehalten, wie sie im Moment der Aufnahme angetroffen wurden. Die Gestaltung des einzelnen Bildes liegt dabei im Blickwinkel. Diesen nimmt der Betrachter äußerst selten wahr, selbst wenn er persönlich vor dem fotografierten Objekt steht.

Die gezielte Wirkung von Licht und Schatten in Blaichs Fotos betont die schlichte Erhabenheit der Klosterarchitektur. Die Verbindung der sakralen Motive und der Natur schlägt bei Blaich die Linde. "Sie gilt aufgrund der Herzform ihrer Blätter auch als der Baum Mariens", erläutert der Fotograf, der sich intensiv mit der Geschichte der Zisterzienser-Klöster auseinandergesetzt hat – natürlich durchs Objektiv.

Wie bei seinen Dia-Audo-Visionen üblich hat Blaich natürlich auch bei der Produktion "Schweigen – Stille im Kloster und in Gottes freier Natur" auf jegliche Bilderläuterung verzichtet. Lediglich dezente Musik und Naturgeräusche sowie Bonmots oder biblische Weisheiten begleiten den Zuschauer durch die klösterliche Welt des Schweigens. Viola Krauss

Augenblicke voller sakraler Atmosphäre schenkt Erich Blaich dem Betracher seiner neuesten Dia-Audio-Vision "Schweigen – Stille im Kloster und in Gottes freier Natur". Foto: Blaich

Erich Blaich ist bekannt für seine klösterlichen Impressionen und Landschaftsaufnahmen voller Atmosphäre.

Autorin: Viola Krauss (Fotos im Original Artikel: Krauss, Blaich)