Baukunst für Gebet und Arbeit –

Kloster Bebenhausen

 

Bei der Aufnahme ins Kloster Clairvaux sprach Abt Bernhard zu den Novizen:

"Wenn Ihr es eilig habt, verinnerlichte Menschen zu werden, dann lasst eure Körper draußen.

 Hier treten nur Seelen ein. Das Fleisch dient zu nichts.“

Diese Worte sagen eigentlich schon alles über das Ziel und Programm  des  Ordens der Zisterzienser, der anno 1098 im burgundischen Citeaux  gegründet wurde.

Der Mönch hat mit seinem Gelübde für Armut und Keuschheit alles Weltliche hinter sich gelassen, denn alles was im Kloster gesagt und getan wird geschieht ausschließlich zum Lobe Gottes.

Scheinbar widersprüchlich zu allen strengen Regeln hat man an die Baukunst höchste Anforderungen gestellt, denn die schier perfekte Erhabenheit  lässt noch heute den Betrachter ehrfürchtig staunen.

Der ursprünglichen Bauregel entsprechend durfte kein figürlicher Bauschmuck zu sehen sein, denn dies würde von Gebet und Meditation nur ablenken.  Auch waren aus diesem Grund farbig bemalte Glasfenster nicht erlaubt.  

Wenn wir heute diese Baukunst staunend betrachten, fällt uns zuerst die schlichte Formgebung auf, danach aber auch die vollkommene Bearbeitung des Steines.

Das ehemalige Zisterzienserkloster Bebenhausen ist ein Beispiel unter vielen für die strikte Einhaltung der zisterziensischen Bauregel.  Romanik und Gotik harmonieren hier nicht nur miteinander, sondern ergänzen sich auf logische Art. Die Baugeschichte der Abtei lässt sich daraus exakt nachvollziehen.

Erich Blaich möchte mit dieser bewusst wortlosen Dia-Audio-Vision den Besucher dazu einladen, dieses Kloster mit den Augen des Fotografen zu erleben und die Impressionen der verschiedenen Tages- und Jahreszeiten auf sich wirken zu lassen.  Der gotische Dachreiter ist Mittelpunkt und Achse unserer meditativ-visuellen Umrundung,  dessen Spitze der symbolische Wegweiser zum Ziel eines jeden Mönches war, zu Gott. Er ist sozusagen die zu Stein gewordene Verheißung zum ewigen Leben als Lohn für Askese, Keuschheit,  persönlicher Besitzlosigkeit und bedingungsloser Erfüllung des benediktinischen Leitsatzes

 

ora et labora“.